Habe ich „über angebliche Verstöße nicht informiert“?

Als Reaktion auf meine Veröffentlichung behauptet der stellvertretende Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, Wolfgang Krach, in einer Stellungnahme gegenüber meedia.de und newsroom.de:

„Über angebliche Verstöße gegen journalistische Grundsätze hat er weder während seiner Tätigkeit für die SZ noch vor der Veröffentlichung seiner Vorwürfe die damalige Ressortleitung oder die Chefredaktion informiert.“

Am 2. April hatte ich folgendes Gespräch mit meinem Ressortleiter. Hier hier relevanten Stellen habe ich unterstrichen:

(Download als MP3)

Ich: Guten Morgen

Ressortleiter: Hallo, Herr Heiser, schönen guten Morgen!

Ich: Ich grüße Sie.

Ressortleiter: Hatten Sie ein gutes Wochenende?

Ich: Na, es ging. Ich bin gekommen, um mich mit Ihnen zu unterhalten.

Ressortleiter: Ja, nämlich?

Ich: Ja, ich bin unglücklich, mit, äh

Ressortleiter: worüber?

Ich: Mit dem Job hier. Einerseits hat mir das ziemlich auf die Nieren geschlagen, die Sache mit der Investmentfonds-Beilage, die wir noch verändert haben, auf Wunsch der Anzeigenabteilung.

Ressortleiter: Also, da müssen wir in Ruhe drüber reden. Jetzt nicht so zwischen Tür und Angel.

Ich: Dann tun wir das.

Ressortleiter: Ich melde mich nachher? Gell? Ja?

Ich: Wie Sie möchten.

Ressortleiter: Ja?

Ich: Ja.

20 Minuten später setzen wir das Gespräch fort:

(Download als MP3)

Ich: Guten Morgen!

Ressortleiter: Guten Morgen. So, ja. Sie sind unglücklich?

Ich: Genau. Die Geschichte war mir auf die Nieren geschlagen.

Ressortleiter: Welche denn?

Ich: Ah, bei der „Investmentfonds“-Kiste, hat ja die Anzeigenabteilung sich gewünscht, ob wir nicht das Wort „schwammig“ rausnehmen können, bei dem einen Anbieter. Ich fand das falsch.

Ressortleiter: Ja.

Ich: Und die Anzeigenabteilung hat gesagt, man sollte das trotzdem machen und wir haben es am Ende so gemacht und – ja – habe ich schlecht geschlafen hinterher.

Ressortleiter: Naja, aber wenn das schon ein Anlass ist, schlecht zu schlafen, dann reagieren Sie vielleicht ein bisschen sehr, äh, sehr empfindlich, Herr Heiser.

Ich: Vielleicht.

Ressortleiter: Ja vielleicht. Weil ich hab Ihnen ja gesagt, dass wir hier uns manchmal im Grenzbereich bewegen. Wobei die Kritik, die sanfte Kritik an diesem Unternehmen ja immer noch klar wurde. Da haben Sie vielleicht jetzt doch ein bisschen, bisschen überreagiert. Dass Sie gleich unglücklich sind, betrifft mich sehr, weil ich hatte so den Eindruck, es macht Ihnen schon Spaß und Sie haben ja so Ihr eigenes Feld hier. Ja, was heißt das für Sie?

Ich: Der andere Punkt ist, dass ich auch den Eindruck habe, dass ich zunehmend daran zweifele, ob das ein guter Einstieg ist, um in ein paar Jahren irgendwo etwas anderes zu machen. Weil ich mitbekomme, dass es in den anderen Teilen der Zeitung eine Ablehnung, zumindest im Wirtschaftsteil der Zeitung, gegenüber meinen Wirtschaftsbeilagen gibt. Wie das in den anderen Beilagen ist, weiß ich nicht. Aber, wenn …

Ressortleiter: Also, es gibt nun keine Ablehnung im Hause gegen die Beilagenredaktion. Ganz im Gegenteil. Sie hat ein ganz anderes Standing und ein gutes Standing wieder, seit wir hier das machen. Und die Wirtschaft(sredaktion), ich habe auch mit […] gesprochen, die Wirtschaf(sredaktion) hat mitnichten irgendetwas etwas gegen uns, ganz im Gegenteil. Die fühlen sich nur häufig eben in einer Konkurrenzsituation, so war es zum Beispiel jetzt wieder mit der Cebit(-Beilage). Das ist ein ganz klassisches Beispiel dafür gewesen, dass der […] sich erregt hat, dass wir eine so tolle, eine Cebit-Beilage haben. (Da habe ich gesagt:) Sehen Sie, Herr […], die gibt es seit 20 Jahren, die Cebit-Beilage, unabhängig davon, was die Wirtschaft(sredaktion) macht. Ja, sagt er, da hätte man doch aber auch die Ressourcen bündeln können. Sag ich: Selbstversändlich, die Wirtschaft(sredaktion) braucht nur auf uns zuzugehen, wie wir das auch tun. Aber das ist zum Beispiel ein Bereich gewesen, dass die Wirtschaft(sredaktion) jetzt unter deren neuen Ressortleitung das überhaupt wahrnimmt, was hier gemacht wird. Früher hat das überhaupt niemanden interessiert. Und Sie haben das vielleicht auch ein bisschen in den falschen Hals bekommen, dass ganz am Anfang Ihnen die (…) gesagt hat: Jetzt kommt derjenige, der uns die Seiten wegnimmt. Äh, nicht?

Ich: Ja,

Ressortleiter: So haben Sie es mir mal erzählt am Anfang.

Ich: Das ist richtig.

Ressortleiter: Auch das ist nicht richtig. Das war auch nie inhaltlich gemeint, auch darüber habe ich mit (…) gesprochen, nicht, dass ich gesagt hab: Also Herr Heiser ist ja nicht sehr freundlich hier empfangen worden hier ganz generell so mit der Bemerkung, man nehmen ihnen die Seiten weg. Sagt er: Das ist doch nicht persönlich oder schon garnicht gegen das Ressort gemeint. Es ist einfach generell so, dass die Wirtschaft(sredaktion) generell immer klagt, sie habe zu wenig Platz und dann kommen auch noch Beilagen-Seiten, die ins Blatt müssen, und dann dann heißt das: Wir können aus unserem vorgesehenen Seiten von 48 Seiten nicht raus, also müssen wir [vernuschelt]. Ja, mit der „Finanzplatz-Bayern“-Seite ist so ein ähnlicher Fall.

Ich: Hm.

Ressortleiter: Ja, also mit dem „schwammig“, Herr Heiser, das ist nun. Erstmal hätte ich das vielleicht auch gerafft (im Sinne von gekürzt), auch wenn Sie mich nicht genannt hätten, herausgestrichen, ich redigier‘ die Dinge und schau die Dinge nach, und damit muss man leben, dass manche Dinge anders von einem Vorgesetzten anders gesehen werden

Ich: Das ist richtig.

Ressortleiter: Aber Sie machen mir den Vorwurf ja nicht, sondern Sie haben das nicht verkraftet, weil das der Wunsch aus der Anzeigenabteilung war.

Ich: Hmm

Ressortleiter: Aber ich liege nun täglich mit der Anzeigenabteilung im Clinch in irgendeiner Weise. Und manchmal arrangieren wir uns, manchmal kommen wir nicht zurande. Und wenn wir natürlich nicht machen, was die sich vorstellen, die haben ganz andere Vorstellungen, als wir sie haben, das ist auch richtig… Wir kommen halt manchmal nicht zusammen, und manchmal kommen wir zusammen, wenn wir meinen: Naja gut, es dient der Sache. Und in diesem Fall war es nun wirklich kein Problem, aus einem Wort, das dem Inhalt überhaupt nichts nahm, weil diese Feststellung, dass man dieses Unternehmen etwas, na, skeptisch betrachten sollte, durchaus noch aus dieser Passage, eindeutig hervorging.

Ich: Also, wenn mir das schon Bauchschmerzen macht, wenn Sie sagen, dass mir „das schon“ Bauchschmerzen macht, daraus schließe ich, dass ähnliche Sachen noch weiterhin passieren können.

Ressortleiter: Ja, immer wieder kommt natürlich sowas in ähnlicher Form. Ich habe Ihnen ganz am Anfang gesagt: Wir sind nicht hier die Abteilung für das In-Die-Pfanne-Hauen. Das ist klar! Wir sind – das habe ich Ihnen von Anfang an gesagt: Wir sind hier nicht die Abteilung „Investigativer Journalismus“. Das muss man wissen. Bei allen Verrenkungen, die wir machen müssen. Solche Geschichten, wie wir sie am Samstag gemacht haben mit „Beruf und Karriere“, wenn Sie die gelesen haben. Da gilt es – auch da gilt, dass es sauber recherch… Haben Sie die gelesen? Diese Butterfahrten-Geschichte. Das geht zum Beispiel gegen einen Unternehmer, der so Sprachreisen, Einladungen macht für Übersetzter und die offensichtlich abzockt. Das sind Dinge, die wir auch machen, aber das ist in unserem Metier alleine. Wir sind natürlich vom Anzeigenaufkommen abhängig, in einer gewissen Weise, was nicht heißt, dass wir nun nach deren Pfeife tanzen. Aber natürlich müssen wir uns immer arrangieren.

Am 17. März 2007 erscheint im Wirtschaftsteil der SZ die Warnung: "Finger weg von Zertifikaten!"

Am 17. März 2007 erscheint im Wirtschaftsteil der SZ die Warnung: „Finger weg von Zertifikaten!“

Ich: Das ist richtig, dass Sie das gesagt haben. Ich habe es unterschützt, wie stark mir das zu schaffen macht. Zum Beispiel ich sprach mit (…), ganz nur am Rande, nur kurz sprach ich über meine Arbeit, und wir kamen auf die „Derivate & Zertifikate“-Beilage zu sprechen. Und sie sagte, dass sie in der Wirtschaft generell nicht über das Thema berichten, aus dem Grund, dass sie die Leute da nicht reintreiben wollen. Dass sie sagen: Derivate und Zertifikate sind so kompliziert aufgebaut, dass es für die allermeisten unserer Leser ratsam ist, einfach die Hände wegzulassen.

Ressortleiter: Ganz generell.

Ich: Ganz generell. Deswegen berichten sie darüber gar nicht. Und wenn wir natürlich …

Auf meinen acht "Derivate & Zertifikate"-Seiten kann ich nicht schreiben: Finger weg!

Auf meinen acht „Derivate & Zertifikate“-Seiten kann ich nicht schreiben: Finger weg!

Ressortleiter: Wir machen acht Seiten

Ich: … acht Seiten dazu, und auf acht Seiten kann man ja nicht sagen: Lass die Finger davon.

Ressortleiter: Nein nein.

Ich: man muss dann schon beschreiben …

Ressortleiter: So ist es.

Ich: … und es stand in jedem Artikel auch drin, was die Risiken sind und dass man das nicht leichtfertig machen sollte. Aber diese Haltung, die in der Wirtschaftsredaktion ist…

Ressortleiter: Eben! Das stand doch bei den „Derivaten & Zertifikaten“ stand in der Tat sehr sauber immer wieder: Also, aufpassen, da kam dann…

Ich: Ja ja, stand in jedem Artikel – ja ja.

Ressortleiter: … da stand das sehr eindeutig drin!

derizert2Ich: Ja genau, aber diese grundsätzliche Haltung, die ich auch, die man auch vertreten kann, der Wirtschaftsredaktion, zu sagen: Wir berichten darüber nicht, weil wir die Leute da reintreiben – wird natürlich konterkarriert, wenn wir dann acht Seiten dazu machen. Die Leute sehen das und sehen dann, da ist irgendwas und nehmen das wahr zumindest, dass wir acht Seiten darüber machen. Und wenn sie dann beim nächsten Mal bei ihrer Bank sind und die sagt: Wollen Sie nicht ein Derivat kaufen oder ein Zertifikat? Dann sagen sie: Ja, da habe ich da was kürzlich in der Süddeutschen drüber gelesen, ich hab sie zwar nicht ganz gelesen, diese acht Seiten, aber ich hab gesehen, dass sie da was großes draus gemacht haben.

Ressortleiter: Ja, nagut. Das ist noch überhaupt nicht an mich herangetragen worden, solche Dinge.

+++ Einschub: Die Zertifikate und die Weltwirtschaftskrise +++

Ein paar Monate später platzt die Blase: Ab Sommer 2007 beginnt eine Immobilien-, Finanz- und schließlich eine Weltwirtschaftskrise. Wer als Anleger sein Geld in Zertifikate oder Derivate von Lehman Brothers gesteckt hat, erleidet einen Totalverlust. Sogar viele staatliche Landesbanken haben nicht verstanden, in was für Produkte sie investieren. Der Steuerzahler muss mit Milliarden einspringen, um die Institute zu retten. Einige Staaten übernehmen sich so stark, dass ihnen niemand mehr Geld leihen will: Es beginnt die Eurokrise.

derizert32007 schalten die Banken so viele Anzeigen für Derivate & Zertifikate in der SZ, dass dazu ein Schwerpunkt mit acht Seiten erscheint (generelle Daumenregel: Pro viertelseitige Anzeige erscheint eine Seite über dieses Thema). Auf diesen Seiten kann ich nicht schreiben „Finger weg“. Stattdessen wird in den Artikeln ausführlich erklärt, wie solche Produkte funktionieren und welche Trends es bei den Angeboten gibt.

Ich: Jedenfalls, ich erlebe auch die Ablehnung aus der Wirtschaftsredaktion stark, dass wir hier Sachen machen, die die da nicht machen, weil sie sagen: Die sind falsch. Und deswegen glaube ich, dass das insgesamt kein guter Einstieg hier ist. Und werde hier wieder aufhören.

Ressortleiter: — Ich würde das sehr bedauern, bedauere es auch. Wann hatten Sie sich denn das vorgestellt, das aufhören.

Ich: Ah, ich wollte eigentlich am Freitag mit Ihnen reden, da waren Sie nicht da. Deswegen habe ich am Freitag noch einen Brief geschickt, der eigentlich am Samstag hier sein sollte. Ich weiß nicht, ob er schon angekommen ist.

Ressortleiter: Bei mir?

Ich: Ja.

Ressortleiter: Vielleicht hier in der Post (greift nach Briefen auf dem Schreibtisch). Oder? Keine Ahnung. Ich weiß es nicht.

Ich: Keine Ahnung. Er sollte am Samstag angekommen sein, gilt damit noch innerhalb des letzten Monats zugestellt und damit würde ich noch bis Ende diesen Monats hierbleiben.

Ressortleiter: — — Das ist hart, Herr Heiser. — Von heute auf morgen sozusagen.

Ich: Das ist die Frist, die im Vertrag vorgesehen war. Die für beide Seiten gilt.

Ressortleiter: — Ja, ich kann Sie natürlich da nicht zwingen. Ich bedauere es. Sie haben Ihre Sache gut gemacht. Wenn Sie sich nicht wohlfühlen, muss ich das akzeptieren. Was wollen Sie denn machen?

Ich: Keine Ahnung. Wieder etwas anderes. Ich habe noch keinen, nichts anderes. Nichts anderes vor, keine Bewerbung laufen, keine Zusage, gar nichts.

Letzter Arbeitstag

Es ist Freitag, der 27. April 2007. Mein letzter Arbeitstag. Zuvor habe ich noch meine letzte Seite fertig gemacht: „Altersvorsorge“.

(Download als MP3)

Ressortleiter: So, jetzt haben Sie Ihr letztes Werk vollbracht.

Ich: Genau. Meine „Altersvorsorge“.

Ressortleiter: Werden Sie sich nochmal einrahmen, oder? Die Seite?

Ich: Ich weiß nicht, ob ausgerechnet die.

Ressortleiter: Ja, ich hatte es Ihnen ja schon gesagt: Ich bedauere es, dass Sie diesen Schritt getan haben. Nun sind ja wieder drei Wochen schon vergangen, seit Sie mir das mitgeteilt haben. Haben Sie innerlich nicht doch einmal jetzt überlegt, ob Sie vielleicht nicht doch einen zu schnellen Schritt getan haben?

Ich: Nein.

Ressortleiter: Nein. Was hat Sie denn, war es denn wirklich nur dieser eine Fall, der Sie da zu dieser Entscheidung hat kommen lassen?

Ich: Nein.

Ressortleiter: Auch nicht. Sondern Sie hatten schon früher gespürt und gemerkt, offensichtlich: „Das ist nicht das, was ich mir vorgestellt habe“. Aber da hatten Sie dann wahrscheinlich schon eine ganz falsche Vorstellung, oder?

Ich: Was meinen Sie mit falscher Vorstellung?

Ressortleiter: Hatten Sie tatsächlich (gedacht, das sei) der Ableger des Wirtschaftsteils?

Ich: Vielleicht war das die falsche Vorstellung, ja, dass ich dachte, das wäre hier nicht so wie in vielen Regionalzeitungen und ist es ja auch nicht so, und es gäbe, was diese Frage angeht einen ganz einheitlichen Standard durch das ganze Blatt. Insofern war ich da überrascht, ja.

Ressortleiter: Hat Ihnen die Arbeit denn an sich wenigstens gefallen?

Ich: Ja, sehr nette Kollegen, interessantes Thema, sehr gute Stimmung im Büro, ich habe mich gut eingearbeitet, war mein Eindruck.

Ressortleiter: Mit den Kollegen sind Sie gut zurande gekommen. Sie haben sich sehr schnell und gut eingefügt. — Haben Sie etwas mitgenommen für Ihre Zukunft? Was machen Sie jetzt? Sie sagten ja, Sie haben nichts festes. Werden Sie wieder frei arbeiten?

Ich: Ich weiß nicht. Ich werd erstmal nach Berlin ziehen.

Ressortleiter: Nach Berlin. Weil da der Bär steppt, oder?

Ich: Ich war da schonmal. In München war ich noch nie, in München kenne ich niemanden. Und in Berlin war ich schonmal, ich kenne dort Leute, mit denen werde ich zusammen eine WG gründen, in Kreuzberg. Und… tja, mal schauen.

Ressortleiter: Sie haben sicher etwas mitgenommen. Mitgenommen im Sinne von, Erfahrungen haben Sie gesammelt. Ob gute oder schlechte kann ich nicht beurteilen, ich hoffe ausschließlich gute. Ich habe auch Verständnis, natürlich, dass Sie sagen, Sie befürchten, dass die Arbeit hier möglicherweise Ihre weitere Karriere beschädigen könnte oder Flecken auf diese Karriere fallen könnten, was ich anders sehe, weil dem ist glaube ich nicht so, aber Sie sagten mir das so.

Ich: Ja, das ist der kleinere Punkt. Der größere war, dass ich merkte, dass ich mit einigen Sachen, einer Reihe von Sachen, die ich hier gemacht habe, Bauchschmerzen hatte, dass ich das falsch fand, ich das deswegen das nicht länger machen wollte und…

Ressortleiter: Entschuldigung, welchen Sachen zum Beispiel? Nur zur Information! Man kann ja mit Bauchschmerzen nicht leben. Haben Sie mit den Bauchschmerzen dann sich so weitergehangelt? Diese Erfahrung haben Sie ja wahrscheinlich sehr schnell machen müssen, dann. Oder? Seien Sie doch ehrlich, es ging doch nicht nur um das „schwammig“, letztlich.

Ich: Nein, das „schwammig“ war ein auslösender Fall.

Ressortleiter: Wobei, da haben Sie glaub ich ein bisschen überreagiert. Ich sag es noch einmal: Der Kern der Kritik ist ja überhaupt nicht herausgenommen worden.

Ich: Ja, aber abgeschwächt. Aber das Ding war: Und da habe ich gemerkt, dass es da eine Anzeigendenke ist, zu sagen: Die Kritik ist hier zu hart, die sollte besser abgeschwächt werden. Und das ist eine Denke, die ich nicht…

Ressortleiter: das muss ich auch eingestehen, das habe ich Ihnen von Anfang an gesagt, als wir das allererste Mal zusammensaßen. Wir müssen auch so handeln und nicht nur wir, sondern alle Zeitungen handeln so inzwischen, weil die Zeiten, wo wir Anzeigen ablehnen konnten, die sind vorbei. Also, wir tun das ohnehin oftmals, ich hab gerade dem (…) wieder einen Brief geschrieben: Wenn ihr uns das anbietet oder das, dann sollten wir es ganz lassen, dann machen wir es gar nicht. Sie haben natürlich nur das mitbekommen, was jetzt direkt Ihre Arbeit so betraf, und den Spagat, den wir immer wieder machen müssen… Aber ich verstehe Ihre Position, Sie sind ein junger Mensch, Sie sind unverdorben noch, Sie stehen da wie eine Wand, wie ein Fels in der Brandung und sagen: Ne, da will ich zumindest jetzt am Anfang meiner Karriere will ich ein sauberer Journalist sein, der kritisch ist, die kritische Denke, die haben Sie natürlich aufgesogen, mitgebracht ganz frisch noch vom Studium, von der Schule, aber es wird sich ein bisschen abschleifen im Lauf der Zeit ohnehin. Ja, ich bedauere es, es ist schade. Schade, Herr Heiser.

Siehe auch: Ist es erlaubt, Gespräche aufzuzeichnen?

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9 Kommentare zu “Habe ich „über angebliche Verstöße nicht informiert“?

  1. Könnte – zumindest im Internet und nicht in Printmedien – eine ziemlich heftige Sache werden soweit…das zeigt alleine die schnelle Reaktion von Krach.
    Lassen Sie sich nicht unterkriegen. Ich danke für Ihre moralischen Ansichten und Ihre Mühen um die journalistischen Grundwerte.
    Auch werde ich diesen Fall weiter mit großem Interesse verfolgen.

  2. Eigentlich könnte die Antwort der SZ nur sein: „Unsere Kunden sind nunmal die, die Anzeigen schalten, und nur theoretisch die Leser. Mit dem Zeug subventionieren wir den guten Journalismus. Ohne das gäb es die SZ nicht mehr, genauso wie die anderen Zeitungen.“ Das täte weh, wäre aber ehrlich, und man hätte die Chance zu sagen: „Ja, seh ich ein. Ich will ja auch nicht 10 statt 2,60 für eine Ausgabe bezahlen.“

  3. Das sind die Momente, in denen ich mich freue, bei den ÖR zu arbeiten. Herr Heiser, Sie machen es sich mit Ihren Texten sicherlich nicht einfacher in der Branche. Ich möchte Ihnen deshalb meinen Respekt für Ihren Mut aussprechen. Ich hoffe, Sie werden immer Arbeitgeber finden, die Ihre journalistischen Grundsätze teilen.

  4. Pingback: Süddeutsche zeitung des tages | Schwerdtfegr (beta)

  5. Bemerkenswert ist, dass die SZ diesmal genau das tut, was sie anderen oft vorwirft: Sie relativiert ihr Handeln, gibt nur das zu, was eh schon bekannt ist – und läuft in die Falle, dass man ihr unwahre Aussagen („Ressortleitung wurde nicht informiert“ etc.) detailliert nachweisen kann. Jedes (Halb-)Dementi endet umso schlimmer. Glaubwürdigkeit schafft man auf diese Weise sicher nicht.
    Eigentlich ein bischen schade, denn ich lese die SZ als Abonnent wirklich gerne. Allerdings möchte ich bei meinen (stattlichen) Abo-Kosten auch sicher sein, dass sich bei den 48 Seiten keine versteckte Werbung darunter befindet.

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