Gespräch mit der Anzeigenabteilung

Am Freitag, den 16. März 2007 habe ich ein Treffen mit drei Mitarbeitern der Anzeigenabteilung. Wir setzen uns an einen Besprechungstisch am Rande ihres Großraumbüros. Nach etwas Smalltalk legen sie los:

(Download als MP3)

Mitarbeiterin: Ja, warum wir heute hier sind: Also unsere Finanz-Sonderveröffentlichungen sind ja momentan wirklich super toll am Start, also das macht richtig Spaß. Momentan sind das also, zumindest für unseren Bereich so, die Umsatzretter, würde ich mal sagen.

Mitarbeiterin: Und Herr […] hat sich mal mit seinen Truppen hingesetzt und hat überlegt, wie kann man das denn auch für den B-Kunden-Bereich nochmal ein Stück attraktiver gestalten und haben ein paar Ideen entwickelt und über die wollten wir heute mal…

Mitarbeiter: … was Sie davon halten. Entstanden ist das ganze daraus, dass diese A/B-Kunden-Struktur früher wesentlich weicher war, da gab es vielleicht 250 A-Kunden, die wir nicht ansprechen durften, alles andere durften wir, und zwar im gesamten deutschsprachigen Raum.

(Die umsatzstärksten Anzeigenschalter sind die „A-Kunden“. Die A-Kunden werden nicht hier von München aus betreut, sondern durch dezentrale Büros. Die Mitarbeiter, mit denen ich gerade spreche, sind für alle übrigen Kunden zuständig, die „B-Kunden“)

Mitarbeiter: Haben dann natürlich viele Banken in Österreich, viele Vermögensverwalter in der Schweiz und Liechtenstein und so weiter mit angesprochen, haben da auch ganz gute Kontakte knüpfen können. Vor zwei Jahren kam dann der strikte Cut, wo es hieß: Wir bloß noch in Deutschland, Auslandsgeschäft über […], also über unsere Vertreter im Ausland, und daraufhin ist das Auslandsgeschäft wieder abgebrochen, also da kam von den Raiffeisenbanken und Sparkassen aus Österreich so gut wie gar nichts mehr rein. So dass ich im letzten Jahr zu Frau […] sagte, dass ich das gerne wieder probieren würde bei ein paar ausgewählten Instituten in Österreich und der Schweiz, die wieder zu reaktivieren für unsere Finanz-SVÖs [Sonderveröffentlichungen] und habe da die Freigabe bekommen. Das klappt jetzt auch … die kommen … die gewinnen wieder langsam Vertrauen zu uns, weil jetzt haben wir uns gedacht, dass wir mal ein Special machen könnten, was explizit auf die zugeschnitten ist. Und da war jetzt ein Gedanke von mir, entweder man startet zum Beispiel mit einer globalen SVÖ „Geldanlage im Ausland“ oder im deutschsprachigen Ausland, wo man eben die wichtigen Länder da entsprechend mit reinnehmen kann, und/oder danach im Anschluss eine Serie, die da heißt „Finanzplatz Schweiz“, „Finanzplatz Österreich“ beziehungsweise unter Umständen auch sogar weiter runter, „Finanzplatz Tirol“, „Finanzplatz Reutte“,

Mitarbeiterin: Kleinwalsertal

Mitarbeiter: Kleinwalsertal. Das war eben mein Grundgedanke. Wir haben auch bei den Kunden, die wir ansprechen dürfen mal so vorsichtig vorgefühlt, ob das denn was wäre, was in der Theorie überhaupt für sie interessant wäre, und die Resonanzen waren da ganz gut.

Ich: hm.

Mitarbeiter: Was natürlich sichergestellt sein muss, wenn man sowas macht, ist, dass man die Finanzplätze nicht als Schwarzmarkt…, äh, Schwarzgeldparadiese darstellt, weil das Problem…

Mitarbeiterin: Wir haben das schonmal gemacht.

Mitarbeiter: Wir haben das Problem gehabt vor zwei Jahren im „Private Banking“, da gab es einen Bericht über Liechtenstein mit einem Unterton, den man zwischen den Zeilen lesen konnte, so nach dem Motto: Ein guter Platz für schwarzes Geld. Und dann war ein Bild vom Schloss vom Fürsten von Liechtenstein mit abgebildet und unten rechts war die [Anzeige der] LGT-Bank, die Fürstenbank von Liechtenstein. Und die fanden das überhaupt nicht gut, weil sie gesagt haben, ihr stellt unser Land und unsere Bank in dem Zusammenhang mit der Anzeige so dar, als wenn wir nur für Schwarzgelder zuständig wären, wir sind aber ein seriöses Institut, bitte. Und das war es dann für anderthalb Jahre [mit Anzeigen der Bank].

Ich: Aber das ist doch all die Jahre deren Geschäftsmodell, dass die Schwarzgelder rüberziehen, weil warum sollte man sonst da hingehen?

Mitarbeiter: Natürlich, aber das kommuniziert man halt nicht unbedingt so offen. Natürlich wissen die mit Sicherheit, und das weiß auch ein Kleinwalsertal und Reutte …

Mitarbeiterin: Die haben‘s ja teilweise so beworben: „Ihr Geld ist bei uns sicher“. Was muss ich in einer deutschen Tageszeitung so eine Anzeige schalten, wenn ich nicht…

Mitarbeiter: Ich mein, wenn man die Berichterstattung so aufbaut, dass man sagt, ok, in Deutschland wird es in Zukunft einen globalen Abzug und eine zentrale Versteuerung geben und die Banken überweisen direkt ans Finanzamt. Das hat man in Österreich oder in der Schweiz nicht. Allerdings bist Du natürlich als Deutscher mit Deinem gesamten Welteinkommen in Deutschland steuerpflichtig und bist natürlich verpflichtet, es anzugeben – ob es überprüft wird, ist eine andere Frage. Man kann es ja reinschreiben, aber halt nicht so als globale Schwarzgeldwerbung darstellen, weil dann kriegen wir ein Problem mit den Kunden.

Ich: Ja. Also es geht darum,

Mitarbeiter: Wir müssen da vorsichtig!

Ich: Ja ja. So einen redaktionellen Platz zu schaffen, der interessant ist für die Kunden, dass die da auch werben, wo man die speziellen Vorzüge von kleinen Banken im deutschsprachigen Ausland vorstellt.

Mitarbeiter: Und auch von den Finanzplätzen an sich. Also von den Gesetzgebungen, die in Österreich herrschen, wie es da aussieht mit der Quellensteuer, wie‘s aussieht mit Kontrollmitteilungen ans deutsche Finanzamt oder an andere Finanzämter, ob die da erfolgen, was es da für rechtliche Möglichkeiten gibt für Nummernkonten unter Umständen, das ist natürlich für den Anleger mit Sicherheit auch hochinteressant. Man hört immer von einem Schweizer Nummernkonto, aber der Otto-Normalverbraucher kann sich da nicht viel drunter vorstellen. Der weiß überhaupt nicht, was, wie kann ich das Ding erstellen, mit welchem Mindestvermögen kann ich es erstellen, welche Daten muss ich bei der Bank hinterlegen, wo werden die gespeichert, wo werden die hingeleitet, werden die immer abgegeben oder nur auf Anfrage der Finanzbehörden und so weiter. Das sind ja alles Infos, die weiß jemand, der mit vielen vielen schwarzen Millionen im Ausland ist, natürlich, aber jemand, sag jetzt mal, der Bauunternehmer von nebenan, der ab und zu mal…

Mitarbeiterin: … der weiß es auch!

Ich: … der mit seinem Schwarzgeld nicht im Ausland ist, aber es überlegt, der weiß es noch nicht.

Mitarbeiter: … der weiß es vielleicht noch nicht. Der halt zu klein ist für einen guten Kapital… für einen guten Private Banker.

Ich: verstehe.

Mitarbeiterin: Geschickt verpacken.

Mitarbeiter: Das muss man halt geschickt verpacken, so dass man natürlich reinschreibt, was für Möglich… dass jeder rauslesen kann, welche Möglichkeiten er theoretisch hätte, er aber darauf aufmerksam gemacht wird, dass wir das nicht unterstützen und ihm Tipps geben wollen und vor allem nicht dass wir die Länder…

Mitarbeiterin: Was der einzelne weglässt, ist ja ihm überlassen. Zum Beispiel die Steuern dann hier in Deutschland zu zahlen.

Mitarbeiter: Ja, so sag ich ja. Reinschreiben: Es wird nicht wie in Deutschland automatisch ans Finanzamt abgeführt, sondern man muss das sozusagen mit der Jahressteuererklärung dann mit angeben. Das ist ja sauber, dann kann sich ja jeder seine eigenen Rückschlüsse draus ziehen. – Wenn man natürlich hinschreibt „da gehen nur die hin, die Steuerhinterziehung betreiben wollen“, dann stellt man den ganzen Finanzplatz in eine Grauzone. Und da fühlen sich dann solche Banken nicht wohl. Ich weiß nicht, kennen Sie die Raiffeisenbank Jungholz, waren Sie da mal drin?

Ich: Nein, wo ist die?

Mitarbeiter: Das ist ein Marmorpalast. Im Kleinwalsertal.

Mitarbeiterin: Im Kleinwalsertal. So eine Ecke, ich hab mir das mal auf der Landkarte angeschaut.

Mitarbeiter: Tirol.

Mitarbeiterin: Jungholz ist aber deutsch, oder?

Mitarbeiter: Jein. Beides. Jungholz ist, wenn man es mal von der Vergangenheit her sieht, wie die Zollgrenzen waren, ist Jungholz nur erreichbar gewesen über deutsches Zollgebiet, war aber geographisch in Österreich. Das war natürlich ein Paradies für jeden Schwarzgeldanleger, weil der mit seinem Koffer Schwarzgeld ned über die österreichische Grenze fahren musste, um zu der Bank zu kommen, sondern der konnte über deutschen Boden Jungholz erreichen und da dann auf ‘ner einer österreichischen Bank zur österreichischen Gesetzgebung – mit den damaligen Nummernkonten wussten ja net einmal die Österreicher, wer der Kontoinhaber ist, konnte man ja so in Österreich anlegen – sein Geld einzahlen. Also, das Paradies schlechthin.

Mitarbeiterin: sagt etwas

Mitarbeiter: Also, ich kenn die Raiffeisenbank in Jungholz. Das hast Du noch nicht gesehn.

Mitarbeiterin: Sagt etwas mit „Schwarzgeld“

Mitarbeiter: So viel Marmor und Kunst und was da alles drin ist, das ist abartig.

Mitarbeiterin: Sagt etwas zu Bankraub

Mitarbeiter: Da traut sich keiner ran, weil da liegen ja net bloß … da liegen ja wirklich schwarze Gelder, richtig schwarze Gelder, da sind mit Sicherheit auch viele, Mafia und andere…

Weitere Diskussion unter den Mitarbeitern über Bankraub sowie Grenzkontrollen.

Mitarbeiter, wieder zu mir gewandt: Es hat sich ja auch viel, das wissen Sie wahrscheinlich besser als ich, viel verändert in der ganzen Gesetzgebung und dem ganzen Steuerrecht und den Besteuerungen, aber in Deutschland tut sich das ja auch, und das bleibt immer noch wesentlich besser (meint: Die Rechtslage ist im Ausland immer noch wesentlich besser für Steuerhinterzieher).

Ich: Also es geht darum, da neue Seiten zu schaffen und über diese Aspekte zu berichten, die bisher noch nicht im Blatt vorkommen…

Mitarbeiter: …ja…

Ich: …mit dem Ziel, dann neue Werbekunden da zu gewinnen, die dann Anzeigen darauf schalten.

Mitarbeiter: gut, das sind nicht unbedingt neue, das sind wekcge, die waren früher …

Ich: ja, aber die wieder zu aktivieren

Mitarbeiter: aber die haben natürlich gerade durch die Gesetzesänderungen haben die momentan richtig gute Konzepte, wie die eben auch ihre Portfolios umstrukturieren, so dass eben der Quellsteuerabzug nicht mehr zum tragen kommt, sondern die eben die Gewinne thesaurieren und anders generieren.

Mitarbeiterin: LGT war ja letztes Jahr gar net mehr bei uns.

Mitarbeiter: Ab letztem Jahr wieder. Letzten Oktober haben sie wieder angefangen. Die waren fast zwei Jahre draußen wegen dieser Fürstenbank/Schwarzgeld

(… Später im Gespräch …)

Ich: Wird schwierig, einen Ober-Titel (zu finden)

Mitarbeiter: Ja, das ist es eben. „Geldanlage im deutschsprachigen Ausland“, wobei Liechtenstein gar nicht mal deutschsprachig ist, aber irgendwie da in den Topf mit reingeworfen wird.

Ich: „Deutschsprachig“ wird nicht reinpassen.

Mitarbeiter: „Was Deutsche bei der Geldanlage im Ausland beachten müssen“, das ist ja schon wieder ein Themenplan…

Mitarbeiterin: wir brauchen was kürzeres

Mitarbeiterin: „Geldanlage, die — die keiner findet“.

Allgemeines Lachen

Mitarbeiter: Och ist des bös, ne, dann machen wir das graue Image richtig grau.

Ich: Wir machen uns da Gedanken drüber.

Mitarbeiterin: „Ab über die Grenze“

Mitarbeiter: Und da kann man ja grob auch anreißen schon mal anreißen von den Themen, die da drin sind, was muss man eigentlich beachten, was muss man deklarieren, und so weiter. – Und was man dann tatsächlich macht ist ja ne andere Sache. Auf jeden Fall ist eins wichtig: Dass man es nicht als Eldorado für Verbrecher und Steuerhinterzieher darstellt, weil dann kriegen wir da keine Anzeigen, weil sich die… das sind ja wirklich… mit extremem Know-How, was die da auch im Geldanlagen-Bereich und im Private Banking haben, und in solche Umfelder stellen sich die nicht …

Mitarbeiterin: Wobei na gut, Du darfst der Redaktion …

Mitarbeiter: Ja, dass ich da kein Anspruch drauf habe ist klar. Aber man muss es halt sensibel … wenn man es nicht sensibel anpackt, machen wir es genau ein Mal. Dann können wir die Serie danach gleich stornieren, weil dann bucht uns da keiner mehr rein, weil die viel zu viel Angst haben, dass man sie in irgendwelche Lichter schiebt, in denen sie nicht stehen wollen – obwohl sie drin stehen, aber die wollen ja nicht in der Öffentlichkeit darin stehen. Weil die haben ja noch österreichische Kunden, die sie da ganz normal behandeln müssen.

Ich: Ich verstehe. Ja, ich werde das mal besprechen.

Mitarbeiterin: Sagen Sie mir dann noch Bescheid, ob der Herr (…) das abgenickt hat?

Ich: Sie hören am Montag von mir.

Mitarbeiterin: Super, ok. Wunderbar.

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